Erfolgreiches Onboarding: Den Neubeginn optimal nutzen

Erfolgreiches Onboarding: Den Neubeginn optimal nutzen

Wachstum und Dynamik eines Unternehmens hängen von der gewissenhaften Rekrutierung neuer Mitarbeiter ab. Doch mit dem erfolgreichen Bewerbungsprozess ist es nicht getan. Im Onboarding stellen sich die Weichen für das zukünftige Miteinander, für die Arbeitseinstellung und das Grundgefühl am Arbeitsplatz. Als Arbeitgeber ist es hilfreich, sich im Vorfeld einige Grundprinzipien des Umgangs im Arbeitskontext vor Augen zu führen, die Arbeitnehmersicht zu reflektieren und dadurch schon im Vorfeld unnötige Reibungs- und Frustrationspunkte auszuschließen.

Was ist ein idealer Start?

Ein Neuanfang ist spannend und verheißungsvoll, bedeutet neue Entwicklungspotenziale, Erfahrungen und Kontakte. Genauso ist er allerdings auch mit Unsicherheiten, Fragen und streckenweise auch Überforderung verbunden. An einem neuen Arbeitsplatz kann es schnell passieren, dass neue Mitarbeiter sich allein gelassen fühlen, weil das Tagesgeschäft wenig Raum bietet, sich ihnen in einem angebrachten Maß und mit entsprechender Geduld zuzuwenden. Es liegt in Ihrer Verantwortung als Arbeitgeber, sich und Ihre neuen Mitarbeiter bestmöglich gegen diesen Fall abzusichern. Dabei lässt sich der Enthusiasmus und Aufwind des Neubeginns für beide Seiten optimal nutzen. Wenn Sie sich gut vorbereiten, tun Sie sowohl Ihrem Unternehmen, als auch Ihrem neuen Mitarbeiter einen großen Gefallen.

Wie fühlt sich Ihr neuer Mitarbeiter?

Vorfreude auf eine neue Arbeitsstelle mischt sich vor dem Antritt bei Vielen mit Ungewissheit über die Anforderungen und darüber, ob sie tatsächlich in der Lage sein werden, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Es erwartet sie ein neues Team, das bereits eingespielt ist und scheinbar auch ohne Neuzugang gut funktioniert. Ein neuer Mitarbeiter ist nicht nur fachlich zu Beginn seiner Arbeitszeit in höchstem Maße gefordert, auch gilt es, die internen Strukturen und Abläufe wahrzunehmen, zu verstehen und schließlich den eigenen Platz darin zu definieren. Ein kurzer Einblick von einem erfahrenen Mitarbeiter direkt zu Beginn kann diesen Prozess deutlich erleichtern.

Wie können Sie Ihren Mitarbeitern den Start erleichtern?

Als Arbeitgeber haben Sie viel Verantwortung und müssen verschiedenste Termine und Abläufe überblicken. Das Tagesgeschäft ruhtnicht und ohne Vorbereitung kann es schwierig werden, sich einem neuen Mitarbeiter tatsächlich zuzuwenden und ihn zu integrieren. Selbst wenn Sie als Arbeitgeber in der Hierarchie über dem neuen Mitarbeiter stehen – Umgang auf Augenhöhe ist wichtig und es sollte nicht das Gefühl aufkommen, als betrachteten Sie neue Mitarbeiter von oben herab.

Es ist unerlässlich, sich neuen Mitarbeitern wertschätzend und geduldig zu widmen, um ihnen das Gefühl zu geben, dass sie bei Ihnen richtig sind. Sollte es Ihnen zeitlich absolut nicht möglich sein, am ersten Tag selbst das Onboarding zu übernehmen, weisen Sie diese Aufgabe einem geeigneten Mitarbeiter zu. Stellen Sie sicher, dass Ihre neuen Mitarbeiter nicht den Eindruck bekommt, sie seien vergessen worden oder gar im Weg. Dabei ist es hilfreich, die Eckdaten der neuen Mitarbeiter zu kennen und zu beachten. Das Gefühl, fachlich gebraucht zu werden, Anerkennung und Interesse für bisherige Leistungen entgegengebracht zu bekommen und das bestehende Team ergänzen zu können, sind sehr wichtig für neue Mitarbeiter. Angemessene Aufgaben und Verantwortung zu erhalten, ist für die meisten wichtiger, als einen Frischlingsbonus zu bekommen.

Überschaubare Aufgaben zu Beginn sind sinnvoll, die den Fähigkeiten und künftigen Zuständigkeitsbereichen entsprechen. Diese können und werden sich im Laufe der Tätigkeit entsprechend steigern. Sie sollten gut abgestimmt sein, damit sich weder Überforderung, Zweifel an den eigenen Fähigkeiten und damit verbundene Frustration, noch der Eindruck, unterfordert und nicht gewinnbringend fürs Team zu sein, bei dem oder der Neuen einstellen. Ein gewissenhaftes und angebrachtes Onboarding und Heranführen an Aufgaben, Verantwortungsbereiche und das in Anbetracht der individuellen Fähigkeiten, kann auf kurze und auf lange Sicht die Richtung für ein gutes Arbeitsverhältnis weisen.

Wie können Sie sich vorbereiten?

Als Arbeitgeber haben Sie auch über den formellen Prozess der Bewerbung und Einstellung hinaus noch einige Möglichkeiten, viel für Ihre zukünftigen Mitarbeiter zu bewegen. Bereits ein offenes Interesse an Ihren Mitarbeitern und der Kontakt zu diesen kann äußerst hilfreich sein, sie in ihrer neuen Position zu unterstützen. Nicht nur dem neuen Mitarbeiter vermitteln Sie so das Gefühl der Wertschätzung, auch aus Unternehmenssicht zahlt es sich aus, schon vor seinem ersten Arbeitstag zu wissen, wer Ihre neuen Mitarbeiter sind und wie sie sich in Struktur und Abläufe einfügen können. Sowohl vertragliche Formalitäten – sofern noch nicht abgeschlossen – als auch der Arbeitsplatz sollten bereits vorbereitet sein. Keinen Platz zu haben oder von Kollegen darauf hingewiesen zu werden, man säße auf ihrem Platz, ist sehr unangenehm für die neuen Mitarbeiter und lässt sich vermeiden. Richten Sie Arbeitsrechner, Mail und Telefon, soweit es möglich ist im Vorfeld ein, damit Ihre neuen Mitarbeiter reibungslos in ihren ersten Tag starten können.

Es empfiehlt sich, das Team und die Kollegen über die neuen Mitarbeiter zu informieren, damit diese sich willkommen fühlen können. Ein strukturiertes Onboarding durch Sie als Arbeitgeber oder einen geeigneten und gebrieften Mitarbeiter inklusive eines Einarbeitungsplans ist zukunftsweisend für das Arbeitsverhältnis. Durch einen persönlichen und fachlichen Ansprechpartner erfahren Ihre neuen Mitarbeiter Wertschätzung auf der Mentoring-Ebene und fühlen sich gut abgeholt. Dafür empfiehlt sich eine im Vorfeld festgelegte Ansprechperson, die, sofern es die Kapazitäten ermöglichen – am ersten Tag oder darüber hinaus die Rolle eines Mentors übernimmt, der für Fragen, Formalitäten und Inhalte zur Verfügung steht. Ansonsten könnte es passieren, dass sich die neuen Mitarbeiter nicht relevant und gebraucht fühlen, was die Frage nach dem Sinn der neuen Arbeitsstelle aufkommen lassen kann. Ob rational oder nicht, ein ungutes Grundgefühl gleich zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses kann die Zukunft entscheidend beeinflussen.

Was macht einen idealen ersten Tag am neuen Arbeitsplatz aus?

Der erste Arbeitstag kann für das künftige Miteinander aller Beteiligten maßgeblich sein. Um das im Vorfeld weitestgehend positiv zu beeinflussen, lassen sich für den ersten Tag simple Vorkehrungen treffen, die den Einstieg reibungslos gestalten.

Der Beginn einer Arbeitswoche oder auch eines Arbeitstages ist in vielen Fällen geprägt von Absprachen, Koordination, Planung oder einfach dem mehr oder minder strukturier- und planbaren Tagesgeschäft. Bis alles in geregelten Bahnen läuft, kann es hektisch zugehen. Neue Mitarbeiter an ihrem ersten Tag können in dieser Situation erfahrungsgemäß wenig beitragen. Deshalb können Sie als Arbeitgeber guten Gewissens Ihre Neuzugänge an Tag eins eine Stunde später erscheinen lassen als regulär. Dadurch müssen sie nicht ratlos abwarten, bis jemand Zeit für sie hat und fühlen sich nicht vergessen oder im Weg. Ein noch besseres Gefühl des Aufgehobenseins bekommen Ihre neuen Mitarbeiter, wenn Sie ihnen einen vorbereiteten Arbeitsplatz bieten können, von wo aus sie ohne Verzögerung in ihre Arbeit starten können. Bevor sie das tun, empfiehlt es sich, ihn dem gesamten Team und allen relevanten Personen vorzustellen. In diesem Zuge können Sie ihnen direkt ihren Einführungsmentor an die Hand geben, der sie am ersten Tag oder darüber hinaus unterstützen wird. Dieser oder Sie selbst übernehmen auch das Briefing. Im Sinne neuer Mitarbeiter ist es kollegial, die Pause vorzuplanen und sicher zu stellen, dass sie nicht allein essen müssen. So sind Anknüpfungspunkte für beide Seiten geschaffen und sie fühlen sich integriert.

Wie verläuft die erste Zeit am neuen Arbeitsplatz bestmöglich?

Wie für Beziehungen oder langfristiges Miteinander verschiedenster Art gilt: Was man zulässt, setzt sich fort. Die Weichen, die in der Anfangsphase gestellt werden, sind maßgeblich für den Fortbestand. Selbiges trifft auf Arbeitsverhältnisse zu, sowohl aus Arbeitgeber-, als auch aus Arbeitnehmersicht. Gepflogenheiten, die sich in den ersten Tagen und Wochen manifestieren, lassen sich schwer wieder ablegen. Wenn Sie sich dessen als Arbeitgeber bewusst sind, können Sie die Situation zu Ihrem Vorteil beeinflussen.

Wichtige Stichworte sind hier vor allen Dingen Kommunikation, Werte, Strukturen, Arbeitsmoral und Abläufe. In diesen Bereichen können Sie deutlich machen, welche Erwartungen Sie haben, was flexibel ist und was nicht. Indem Sie als Arbeitgeber beispielsweise eine transparente, direkte und wertschätzende Kommunikation vorleben, schaffen Sie die Voraussetzungen dafür, dass dies von Ihren neuen Mitarbeitern von Beginn an übernommen werden kann. Ein Umgang auf Augenhöhe, trotz Unternehmenshierarchie, schafft Raum für Fragen, Anmerkungen und Wünsche. Mitarbeiter, die ihrem Arbeitgeber vertrauen können, werden eher offen kommunizieren, lösungsorientiert und im Unternehmenssinne handeln, als solche, die dafür keine Möglichkeit sehen und stattdessen Frustration aufbauen.

Gewissenhafte Vorbereitung dieser wenigen und einfachen Schritte kann für Sie, Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeiter langfristig einen großen, positiven Effekt haben. Mit Weitsicht und Empathie gelingt es Ihnen ohne Schwierigkeiten, Ihren neuen Mitarbeiter bestmögliche Startvoraussetzungen zu bieten. Damit schaffen Sie die Grundlage für ein zufriedenes, effizientes und wertschätzendes Arbeitsverhältnis.

Provokationen in Verhandlungen

Wut in Verhandlungen_Tanja Pöthmann Consulting

Provokationen in Verhandlungen

Provokation sind ein häufiges Mittel in Verhandlungen.

Nur, wie damit umgehen?

Bedenken Sie, Verhandlungen werden erfolgreich geführt, mit dem Wissen um Sie. Ebenso verhält es sich mit Provokationen in Verhandlungen. Für manche sind Manipulationstechniken, oder Partner die an Ihrem Stuhl sägen, subtile oder klare Beleidigungen oder auch „freche Forderungen“ vom Einkauf eine Provokation.

Der Sinn einer Provokation liegt darin, den Verhandlungspartner emotional zu „erwischen“ und aus seiner Haut fahren zu lassen.

Das lässt sich am besten an der Mimik oder der Hautfarbe des Gesichtes ablesen. Das Gesicht verfärbt sich rötlich und die Mimik zeigt eine Mischung aus Erstaunen und Wut vor so viel Frechheit.

Ist ein emotionaler Ausbruch hilfreich?

Nein, hier geht es um Selbstbeherrschung und die Anwendungen von Verhandlertechniken.

Jedoch wird standardmäßig in Verhandlungsseminaren gepredigt, dass Emotionen in Verhandlungen, sprich ein emotionales Verhandeln ein erfolgloses Verhandeln sei.

Hier ist die schlechte Nachricht: Wir sind Menschen und sind, ob wir wollen oder nicht, von Emotionen gesteuert. Wichtig ist, wie wir mit diesen aktiv umgehen und ob wir den Emotionen ungefiltert Einfluss auf die Verhandlung geben.

Symptome von Emotionen beim Verhandler

Die Bewegungen werden hastiger und ungelenker. Möglicherweise fällt Ihnen etwas herunter oder Sie stoßen etwas um. Ihr Gesicht verzerrt sich und je nach Typ ist Schreck, Angst oder Wut in Ihrer Mimik zu lesen. Sie können selbst feststellen, wie sich der Puls beschleunigt, Ihr Hals zugeht und je nach Temperament Sie der Wunsch überkommt, laut los zu schreien. Die Gefahr für einen Verhandler in einer solchen Situation ist, dass Sie möglichweise ungewollte Zugeständnisse tätigen. Hier gibt es nur eine mögliche Lösung für Sie. Gehen Sie selbst aktiv mit Ihren Emotionen um, um diese wieder steuern zu können.

Aktiver Umgang mit Emotionen bei Provokation

Hier habe icheinige Tipps für Sie, wie Sie schnell wieder Herr oder Herrin Ihrer Emotionen werden.

  1. Atmen (tiefe Bauchatmung)

In Situationen mit emotionaler Anspannung (z. Bsp. Wut) neigen wir dazu, das Atmen einzustellen. Das ist für einen klaren Gedanken nicht förderlich. Atmen Sie dreimal tief ein und wieder aus. Das wird Sie beruhigen.

  1. Trinken Sie einen Schluck Wasser

Sollte sich Ihre Kehle verengt haben oder Sie haben das Gefühl eines Kloßes im Hals, ist in der Regel die Kehle trocken. Bevor ihre Stimme versagt oder in der Tonlage zu hoch geht, ist es zielführend einen Schluck Wasser zu sich zu nehmen.

  1. Toilette

Der Gang zur Toilette ist die schnellste und unauffälligste Möglichkeit, sich eine kurze Pause zu verschaffen. Sätze wie: „Lassen Sie uns bitte eine Pause machen.“ „Ich müsste einmal auf die Porzellanabteilung“ oder kurz „ums Eck.“; sind eine gute Entschuldigung in solchen Situationen.
Der Toilettengang lässt Sie aus der Situation aussteigen und Sie können sich unbeobachtet sammeln. Coaches nennen den Vorgang, sich zu dissoziieren. Beim Dissoziieren trennen Sie sich vom Thema, um in Ruhe über die Situation nachzudenken.

Nutzen Sie die Zeit und stellen Sie sich folgende Fragen:

  1. In welchem Verhältnis stehe ich zu meinem Verhandlungspartner?
  2. Was macht mein Verhandlungspartner da?
  3. Was mache ich da eigentlich?
  4. Was treibt mich da so „hoch“? (wurde Ihr Ego getroffen?)
  5. Was sind meine Ziele? Hier geht es um Ihren FOCUS!

Wichtig ist jedoch, dass Ihnen klar ist, dass Sie nicht mehrfach in der Stunde auf die Toilette verschwinden können. Die Toilette ist ein einmaliger und kurzer Rückzugsort.

  1. Vogelperspektive

Nehmen Sie die Vogelperspektive ein. Sobald unsere Emotionen drohen mit uns „durchzugehen“ sind wir zu involviert und engagiert. Engagement ist gut, jedoch kann es sein, dass Sie im „Klein-Klein“ gelandet sind. Sie sehen Ihr Ziel nicht mehr. Stellen Sie sich die Frage, was Sie einem anderen Menschen in einer solchen Situation raten würden. Stellen Sie sich vor, wie Sie als Berater im Verhandlungsraum sitzen und die Teilnehmer beobachten und überlegen, was die nächsten Schritte sein müssen. Der Vorteil der Vogelperspektive ist, dass Sie gelassener und ruhiger werden. Ihre Gedanken werden wieder klarer.

  1. Vorbereitung – Zieldefinition – Worst-Case-Szenario

Vergessen Sie nicht, dass Sie sich auf die Verhandlung vorbereitet haben. Zu einer guten Vorbereitung gehört neben der Zieldefinition auch eine Exit-Strategie. Erinnern Sie sich, wie diese aussehen sollte und machen Sie sich klar, was Ihr Worst-Case-Szenario wäre. Die Frage nach dem schlimmsten Fall nimmt Ihnen die Sorge vor dem Versagen, bzw. reduziert die innere Gereiztheit und Anspannung. Atmen Sie noch einmal mit der tiefen Bauchatmung und machen sich klar, dass keine Verhandlung so schlimm ist. Sie kommen lebend aus einer solchen wieder heraus.

 

Emotionen in Verhandlungen im Griff haben

Mit der Zeit werden Sie, wenn Sie meine Empfehlungen beherzigen und auf die Verhandlungen vorbereitet sind, lernen einen kühlen Kopf zu bewahren. Der Umgang mit Emotionen ist ein Muskel, der trainiert werden will. Es geht darum, sich verstehen zu lernen und sich genau analysieren zu können. Dieser Vorgang ist wichtig, da wir nicht nicht (doppelte Verneinung!) kommunizieren können und ein geübter Verhandler auf der Gegenseite Sie lesen kann. Sie möchten doch mit einem guten Verhandlungsergebnis oder abgeschlossenem Deal nach Hause fahren, dem Gedanken nachhängend, dass Sie sich und Ihre Emotionen im Griff hatten und fokussiert waren.

 

Sie möchten Ihre Verhandlungsperformance erhöhen und sicherer oder souveräner in Verhandlungen werden? Der Umgang mit Manipulationstechniken und Emotionen in Verhandlungen behagt Ihnen nicht?

Kontaktieren Sie mich unter der Rufnummer: 030 – 12087882 oder melden sich zu einem meiner Verhandlungstraining unter: http://www.tanja-poethmann.de/termine/ an.

Foto: Pixabay Composita

Verhandeln bis es quietscht

"Verhandeln bis es quietscht"
„Verhandeln bis es quietscht“

„Verhandeln bis es quietscht“

Im Feld der GroKo Verhandlungen muss die SPD Verhandlungen an zwei Fronten gleichzeitig führen. Die eine, direkte Verhandlungsfront besteht aus der CDU/CSU und die andere Verhandlungsfront ist nach innen gerichtet in die Partei zu Ihren Mitgliedern. Innerhalb dieses Spannungsfeldes sind die Koalitionsverhandlungen mit dem dazugehörigen Kommunikationsverhalten zu lesen. Nach Außen in Richtung CDU/CSU geht es zum einen um das Profil der Partei und zum anderen um das Ringen für eine stabile Regierung in Deutschland mit der entsprechenden Wirkung auf dem internationalen Parkett.

In diesem Spannungsfeld ist die psychologische Komponente von Äußerungen im Vorfeld von Verhandlungen von den Verhandlungsführern ist nicht zu unterschätzen.  An Ihren Worten werden Sie gemessen. Der Satz von Frau Nahles auf dem SPD Sonderparteitag in Ihrer Rede für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen nach den Sondierungsgesprächen „Wir werden Verhandeln bis es quietscht…“ ist in viele Köpfe eingegangen. Dieser Satz wurde in die Rede eingebaut, um Parteimitgliedern zu überzeugen, dass sich Koalitionsverhandlungen lohnen können. Jedoch birgt genau diese Formulierung auch eine psychologische äußerst wichtige Komponente.

Die Parteien verkündeten einen Zeitrahmen für die GroKo Verhandlungen, dieser beinhaltete einen konkreten Verhandlungszeitraum plus zwei zusätzliche Puffertage.

Was würde die Tatsache für die Mitglieder der SPD bedeuten, wenn die Verhandlungen schon nach dem regulären Verhandlungszeitraum abgeschlossen worden wären? Wäre das ein „Verhandeln bis es quietscht“?

Vermutlich nicht. Viele hätten sich gefragt, wie es möglich sein kann, sich bei so komplexen Themengebieten innerhalb des geplanten Zeithorizontes zu einigen. Das hätte die Verhandlungsführer der SPD in Argumentationsschwierigkeiten gegenüber den Delegierten des Sonderparteitages, ihrem zweiten Verhandlungspartner, gebracht, der ja über das Ergebnis noch beschließen muss.

Verlängerung der regulären Verhandlungszeit

Psychologisch wurde der Öffentlichkeit und damit den Delegierten zusätzlich zur Nachricht der Verhandlungsverlängerung mitgeteilt, dass man in den sogenannten „leichteren“ Themenblöcken eine Einigung erzielt habe. Vor dem Gang in den ersten Verlängerungstag kam medienwirksam eine Nachtsitzung und die erste Einigungsnachricht in einem für eine Partei sensibleren Bereich.

Jeder Verhandlungsprofi weiß, dass die Punkte, in denen ein Konsens oder ein Kompromiss schwerer herzustellen ist, immer als letztes und dadurch mit Zeitdruck verhandelt werden, um die Möglichkeit auf Ergebnisse zu erhöhen. So auch hier. Dies können Sie auch regelmäßig z.Bsp. bei Tarifverhandlungen beobachten.

Die Ankündigung für den zweiten, vorgesehenen Verlängerungsverhandlungstag ließ dann auch nicht lange auf sich warten.

Nun wird sich zeigen, wie die Ergebnisse ausfallen und ob es zu einer GroKo kommt.

Fakt ist, dass die Verhandlungsparteien bei diesen Koalitionsverhandlungen nicht die Verhandlungsfehler der Jamaika Sondierung wiederholt haben. Es wurde weniger übereinander geredet, sondern vielmehr miteinander gesprochen. Vor den Gesprächen gab es deutlich weniger Interviews. Die Verhandlungspartner haben weniger Informationen durchgestochen und ruhiger verhandelt.

„Es wird hart gerungen“

Nach Abschluss von Verhandlungen gibt es immer eine gewisse Range an Interpretationen der Verhandlungsergebnisse. Dieser Spielraum der Interpretationen beinhaltet auch die parteiliche Deutungshoheit der Ergebnisse, was normal und menschlich ist. Jeder versucht sich und das Erreichte als persönlichen Erfolg bzw. als Erfolg seiner Partei darzustellen. Insbesondere hier, da sich die SPD nach den Verhandlungen zu einem Koalitionsvertrag, nun noch erst die Zustimmung Ihrer Mitglieder zu einer Großen Koalition erteilen lassen muss. Mit dem Wissen um diesen Druck zeigen sich die Verhandlungsführer von CDU/CSU auch so moderat in ihren Äußerungen und Reaktionen bei der Range der Deutungshoheiten. In der Nacht vor der Veröffentlichung eines Koalitionspapieres waren vor der Nachtsitzung noch markige Worte zu hören wie: „…Es wird hart gerungen…“

Vorletzte Etappe 

Diese Nachtsitzung dauerte 20 Stunden, in denen gerungen wurde. Nachdem nun der erste Teil der Verhandlungen zwischen den Parteien abgeschlossen ist, kommt es jetzt zu Verhandlungen innerhalb der CDU/CSU mit Ihren Gremien und bei der SPD zum Mitgliederentscheid. Diese Form der öffentlichen Verhandlung durch die Gremien und Presse wird aufgrund der Dauer des Mitgliedervotums in der SPD noch drei Wochen dauern, bis klar ist, ob es eine Große Koalition geben wird oder nicht.

Sie möchten Ihre Verhandlungsperformance erhöhen und sicherer oder souveräner in Verhandlungen werden? Der Umgang mit Manipulationstechniken und Emotionen in Verhandlungen behagt Ihnen nicht?

Kontaktieren Sie mich unter der Rufnummer: 030 – 12087882 oder melden sich zu einem meiner Verhandlungstraining unter: http://www.tanja-poethmann.de/termine/ an.

Zitat von SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles auf dem SPD Sonderparteitag in Bonn am 21.01.18 „Wir werden verhandeln bis es quietscht auf der anderen Seite“,